Alle Augen sind auf die Wachstumszahlen und Jackson Hole gerichtet

Die kommende Woche wird aus wirtschaftlicher Sicht verhältnismäßig ruhig beginnen. Aber wie ein gemächlich fließender Fluss wird sie sich schrittweise in einen reißenden Strom verwandeln. Der zweite Teil der Woche birgt einige Ereignisse, die Bewegung in die Märkte bringen könnten. Ab Donnerstag stehen drei wichtige Ereignisse auf dem Programm, die – jedes für sich allein betrachtet – die Stimmungslage beeinflussen können. Aber die Marktstimmung wird natürlich wie immer von bestimmten Faktoren abhängen. Zuerst dreht sich alles um das Bruttoinlandsprodukt bzw. BIP in den USA (Donnerstag) und dann in Großbritannien (Freitag). In beiden Fällen handelt es sich dabei um die 2. Veröffentlichung von BIP-Daten für das zweite Quartal. Zudem halten auch wieder die Schwergewichte der globalen Wirtschaft ihr jährliches Wirtschaftsforum in Jackson Hole ab. Das von der Fed-Filiale aus Kansas City ausgerichtete Symposium beginnt am Donnerstag und dauert bis ins Wochenende hinein.

US-BIP

Am Donnerstag wird das US-Handelsministerium seine zweiten Schätzungen zum BIP-Wachstum in den USA bekannt geben. Die erste Veröffentlichung Ende letzten Monats ergab ein annualisiertes Wirtschaftswachstum von 2,3 %. Dies stellte im Vergleich zu den 0,6 % des ersten Quartals eine wesentliche Verbesserung dar. Falls es diese Woche zu einer bedeutenden Korrektur kommen sollte, würde sich dies auf den US-Dollar auswirken. Das ist insbesondere deswegen der Fall, weil sich die US-Notenbank immer noch auf diese Daten stützt, um eine mögliche Änderung ihrer Geldpolitik zu bestätigen. Es wird erwartet, dass es eine Revision nach oben geben könnte, was sich – oberflächlich betrachtet – positiv auf den Dollar auswirken würde. Allerdings weisen Analysten darauf hin, dass eine solche Entwicklung nicht nachhaltig wäre, falls sie sich lediglich auf aufgestautes Inventar stützen sollte.

BIP Großbritannien

Das britische Statistikamt wird am Freitag seine zweite Schätzung zu den BIP-Zahlen des zweiten Quartals bekannt geben. In der ersten Veröffentlichung wurde das BIP-Wachstum für das zweite Quartal mit 0,7 % angegeben, wodurch das Ergebnis des ersten Quartals von 0,4 % leicht übertroffen wurde. Gleichermaßen wie die Fed, stützt auch die Bank of England alle Änderungen ihrer Geldpolitik auf die aktuellen Wirtschaftsdaten. Dabei zählt das Wirtschaftswachstum zum engen Kreis der wichtigsten Faktoren, die für eine solche Entscheidung ausschlaggebend sind. Vor kurzem deutete ein zweites Mitglied des Ausschusses für Geldpolitik der BoE eine möglicherweise unmittelbar bevorstehende Zinserhöhung an. Bis dato war das britische Wachstum in diesem Jahr aufgrund der kriselnden Eurozone eher moderat. Eine bedeutende Korrektur der BIP-Zahlen für das zweite Quartal würde natürlich die weitere Entwicklung des britischen Pfunds beeinflussen. Eine Verbesserung würde die BoE der Zinserhöung einen Schritt näher bringen, während diese Entscheidung bei einer negativen Korrektur wohl auf Eis gelegt werden würde.

Die möglichen Auswirkungen von Jackson Hole

Die Woche findet mit einem anderen, möglicherweise marktentscheidenden Ereignis seinen Höhepunkt. Das Jackson Hole Symposium vereint Teilnehmer aus aller Welt und dabei insbesondere Notenbanker, Politikexperten, Ökonomen und Akademiker. Auch wenn es sich dabei nicht um ein “marktentscheidendes Ereignis” per se handelt, schafft das Symposium oft solide “Anhaltspunkte” über die künftige Geldpolitik und die allgemeine Entwicklung der Weltwirtschaft. Inflation ist zwar das “offizielle” Jahresthema, aber angesichts seiner jüngsten wirtschaftlichen Probleme dürfte wohl China im wirklichen Zentrum des Interesses stehen. Eine jede Äußerung in Bezug auf die neuesten chinesischen Konjunkturmaßnahmen wird genau unter die Lupe genommen werden. Gleichermaßen werden alle Übereinkünfte zwischen den Zentralbankern und globalen Konzernchefs, wie den Problemen in China am besten Einhalt geboten werden kann, bevor sie die eigenen Märkte erreichen, große Aufmerksamkeit erhalten.

Im Klartext

Es dreht sich wieder einmal alles um das Wirtschaftswachstum. Falls die BIP-Zahlen für Q2 in den USA oder Großbritannien stark revidiert werden sollten, würde sich dies wiederum auf die jeweilige Währung auswirken. Und zwar in erster Linie, weil die Wirtschaft mit dem stärkeren Wachstum die Vorreiterrolle auf dem Weg zu einer Zinserhöhung übernehmen würde. Das Jackson Hole Symposium ist zwar per se kein marktentscheidendes Ereignis. Allerdings kann es solide Anhaltspunkte dazu liefern, was in den Köpfen der Teilnehmer des Symposiums vorgeht, zu denen wiederum die wichtigsten Notenbanker der Welt zählen.

Das konkrete Programm

Deutscher IFO-Geschäftsklima-Index (Dienstag) – Wird in erster Linie die Stimmungslage in Bezug auf Euro und DAX beeinflussen. Falls der Index die Marke von 110 Punkten überspringen sollte, würde dies für beide als positiv gesehen werden.

Veröffentlichung BIP-Zahlen Schweiz (Donnerstag) – CHF-Anleger werden sich dafür interessieren, ob das Wachstum in der Schweiz weiter zulegen kann. Falls dies der Falle sein sollte, könnte dies zu bullischen Wetten auf den CHF gegen seine Peer-Währungen führen.

US-BIP Q2: 2. Veröffentlichung (Donnerstag) - Falls die zweite BIP-Schätzung für Q2 nach oben revidiert werden und dies nicht nur aufgrund von temporären Faktoren wie Inventarisierungen erfolgen sollte, würde dies den Dollar beflügeln.

Großbritannien BIP Q2: 2. Veröffentlichung (Freitag) – Falls die zweite Veröffentlichung über die britischen BIP-Zahlen für Q2 eine Korrektur nach oben beinhalten sollte, würde dies das Pfund in erster Linie gegenüber Yen und Euro stärken.

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