Banken Stresstest der Europäischen Bankenaufsicht

London/Frankfurt

Acht europäische Banken haben den Stresstest nicht bestanden. Das teilte die Europäische Bankenaufsicht (EBA), die die Tests durchgeführt hatte, soeben mit. Die deutschen Institute absolvierten die Übung nach Angaben der Bundesbank mit Erfolg, lediglich die Helaba fiel wegen ihrer umstrittenen Kapitalrücklagen durch.

Die EBA fordert beim zweiten großen Banken-Stresstest nach 2010, dass die Institute auch in einem Schock-Szenario mit einer zwei Jahre andauernden Rezession, einbrechenden Aktienkursen und steigenden Zinsen über einen ausreichenden Kapitalpuffer verfügen. Dazu müssen sie auf eine harte Kernkapitalquote von fünf Prozent der Risikoaktiva kommen. Die Kernkapitalquote sagt aus, inwieweit die Risikopositionen der Banken durch eigene Mittel gedeckt sind und gilt damit als wichtige Kennzahl für die Stabilität einer Bank. Institute, die den Stresstest nicht bestehen, müssen sich bis Jahresende frisches Kapital beschaffen. Gelingt das nicht aus eigener Kraft, sollen ihnen die Regierungen des jeweiligen Landes unter die Arme greifen.

as Vorgehen der EBA beim Stresstest hat in den vergangenen Wochen und Monaten viel Kritik auf sich gezogen. Kritiker bemängeln zum einen, dass die Schuldenkrise in Südeuropa und eine Staatspleite Griechenlands unzureichend berücksichtigt würden: Die Institute müssen nur einen kleinen Teil des Werts ihrer griechischen Staatsanleihen abschreiben, ein möglicher Zahlungsausfall Athens wurde überhaupt nicht durchgespielt. Vor allem deutsche und französische Banken sitzen auf großen Posten griechischer Bonds.Der eigentliche Wert des Stresstests liegt für viele Experten daher in der Transparenz, die er bietet: Rund 3000 Daten muss jede Bank veröffentlichen – von der Laufzeit all ihrer Staatsanleihen bis zu einer Ergebnisprojektion für dieses und das nächste Jahr. 2010 waren es nur 100 Daten. Anhand dieser Informationen können sich die Finanzmärkte selbst ein Bild machen, welche Folgen etwa eine Umschuldung Griechenlands auf die einzelnen Kreditinstitute hätte. Kritiker fürchten aber, dass einige Häuser dadurch zum Ziel von Spekulanten werden könnten. „Es ist ja durchaus möglich, dass sich jemand sehr genau anschaut, wo eine Bank ihre Schwachpunkte hat, und möglicherweise auch dagegen spekuliert“, warnte etwa Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des deutschen Bankenverbands.

Für Ärger im Vorfeld sorgte auch die Frage, welche Arten von Kapital der Banken von den Aufsehern als “hart” akzeptiert wird. Besonders die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) zoffte sich diese Woche heftig mit der EBA: Die Londoner Behörde erkennt stille Einlagen entgegen früherer Zusicherung nicht als hartes Kernkapital an, obwohl die Helaba-Eigentümer versichert hatten, dass diese Milliarden für Krisenzeiten zur Verfügung stehen. Damit war die Helaba durchgefallen – obwohl sich die Bank als kerngesund betrachtet.

Entsprechend harsch kritisierten die Sparkassen die EBA. „Der Europäische Bankenstresstest hat in diesem Jahr nur unzureichend zur Vertrauensbildung beigetragen. Es gilt nun, dafür zu sorgen, dass an den Märkten keine zusätzliche Verunsicherung eintritt “, sagte der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), Heinrich Haasis, in einer ersten Reaktion auf die Stresstest-Resultate. Hier würden willkürliche Maßstäbe angelegt, um politisch erwünschte Ergebnisse zu erzielen.

Auch die HSH Nordbank, die den Test mit einer Kernkapitalquote von 5,5 Prozent knapp geschafft hat, fühlt sich unfair behandelt: “Dieses Ergebnis spiegelt die ökonomische Realität unserer Bank in keiner Weise wider”, sagte der Vorstandsvorsitzende Paul Lerbinger. Hätten die Aufseher alle Fakten berücksichtigt, wäre die Landesbank deutlich über der Meßlatte gesprungen, so der HSH-Chef.

Quelle: Handelsblatt

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