China steht weiter im FOREX Fokus

Im Laufe der vergangenen Wochen reagierten die Märkte mit verständlicher Unruhe auf die Unsicherheiten der chinesischen Wirtschaftsentwicklung. Die fast täglich aus China – der zweitgrößten Wirtschaft der Welt – eintreffenden Nachrichten waren alles andere als erfreulich. Und die Hinweise verdichten sich, dass China immer mehr auf eine ausweglose Situation zusteuert. Daran können selbst die schnellen und geradezu zornigen Anstrengungen der Regierung in Peking und der chinesischen Zentralbank nichts ändern. Ebenso wenig konnten dadurch die beunruhigten Anleger beschwichtigt werden, die überstürzt ihre Aktien abstießen, um sich in sicherere Vermögenswerte zu flüchten. In der kommenden Woche werden die Märkte ihren Fokus allerdings vorübergehend von China nach Europa und in die Vereinigten Staaten verlegen. Die beiden wichtigsten Ereignisse des Wirtschaftskalenders dieser Woche sind die Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank am Donnerstag und die US-Beschäftigungszahlen am Freitag.

Zeit für Entscheidungen der EZB

Die Märkte warten mit Spannung darauf, welche Auswirkungen die wirtschaftlichen Turbulenzen in China auf den Rest der Welt haben.  Und was sie dabei besonders interessiert, ist die Reaktion der wichtigsten Zentralbanken auf die chinesische Konjunkturflaute. Am Donnerstag werden wir von der wohl zweitwichtigsten Notenbank der Welt eine Antwort erhalten – der Europäischen Zentralbank. Die große Frage dabei ist natürlich, ob sich die EZB dazu entscheiden wird, den aktuellen Leitzins von 0,05 % noch weiter zu senken.

Der EZB-Rat muss diesbezüglich zwei bedeutende Faktoren berücksichtigen: Griechenland und China. Griechenland mag zwar aufgrund der alarmierenden Nachrichten aus China etwas aus dem Blickfeld gerückt sein, aber dies ist sicher kein Fall von: Aus den Augen, aus dem Sinn. Auch wenn es die griechische Regierung gerade letzte Woche geschafft hat, eine sehr bedeutende Zahlung an die EZB zu leisten, lauern weiterhin potenzielle Probleme. Die Griechen werden im September nämlich wieder an die Urnen gerufen. Und auch wenn die Partei Syriza von ihrer Wiederwahl überzeugt ist, gibt es jede Menge Ungewissheit. Diese Ungewissheit hängt vor damit zusammen, ob der Wahlsieger die Bedingungen des jüngsten (sehr unpopulären) Rettungspakets von EZB/IWF akzeptieren wird oder nicht. Was China betrifft, werden Mario Draghi und die EZB wahrscheinlich zum Schluss kommen, dass sie auch weiterhin am besten mit einer lockeren Geldpolitik fahren. Und vielleicht wird die EZB auch darüber hinausgehende Maßnahmen ergreifen wollen. Wir werden uns allerdings für eine genauere Stellungnahme der EZB gedulden müssen, bis Super Mario seine traditionelle, auf die Sitzung folgende Pressekonferenz hält.

Die Beschäftigungszahlen spielen die zweite Geige

 Am Freitag werden dann die neuesten Zahlen über die Beschäftigungssituation im privaten Sektor der USA veröffentlicht werden. Während die wirtschaftliche Misere in China darauf zwar, per se, keinen Einfluss haben dürfte, misst die Fed diesen Zahlen dennoch entscheidende Bedeutung zu. Die US-Notenbank hat nämlich den Auftrag, Vollbeschäftigung und Preisstabilität zu gewährleisten. Bis jetzt bewegt sich die US-Wirtschaft auch mit großen Schritten auf diese Ziele zu. Ohne China würde die Fed jetzt ziemlich wahrscheinlich argumentieren, dass die Zeit gekommen ist, den Gürtel etwas enger zu schnallen. Aber angesichts der aktuellen Situation dreht sich natürlich alles um China. Kurzfristig gesehen, erwarten sich die Anleger allerdings hinsichtlich der Beschäftigungszahlen (ohne Landwirtschaft) für August die Schaffung von mehr als 200.000 neuen Arbeitsplätzen. Alles darunter würde zu Enttäuschungen und zu Aktienverkäufen führen. Falls die Zahlen hingegen besser als erwartet ausfallen sollten, würde diese dem Dollar Aufwind verleihen.

Im Klartext

Im Endeffekt wird die Entwicklung in China die Stimmung an den Märkten in der kommenden Woche dominieren. Falls sich die dortige Situation nicht bald entspannen sollte, könnte die Woche im Zeichen eines stärkeren Dollar stehen (positive Beschäftigungszahlen vorausgesetzt). In diesem Zusammenhang würde auch der japanische Yen an Wert gewinnen, weil die Nachfrage nach sicheren Anlagen proportional mit den Bedenken der Investoren zunimmt.

Das konkrete Programm

Kerninflation in der Eurozone (Montag) - Falls die Kerninflation in der Eurozone über 1 % steigen sollte, würde sich dies positiv auf den Euro auswirken.

Zinsentscheidung der Australischen Zentralbank (Dienstag) – Wenn sich die RBA dazu entscheidet, inmitten der Turbulenzen in China ihren Leitzinssatz zu senken, könnte dies den Australischen Dollar stark in Mitleidenschaft ziehen. Allerdings könnte dafür auch bereits lediglich die Andeutung einer solchen Senkung ausreichen.

Australisches BIP-Wachstum (Mittwoch) – Nach der Zinsentscheidung der RBA werden sich die Anleger dafür interessieren, wie sich die Konjunkturflaute in China auf die australische Wirtschaft auswirkt und ihre Wetten auf den Australischen Dollar entsprechend anpassen.

EZB-Zinsentscheidung (Donnerstag)- Falls Mario Draghi im Rahmen der wirtschaftlichen Probleme eine weitere Lockerung der Geldpolitik vorschlagen sollte, könnte dies den Euro unter Druck setzen.

US-Beschäftigungszahlen (ohne Landwirtschaft) (Freitag))- Falls die Beschäftigungszahlen um mehr als 200.000 Arbeitsplätze zulegen sollten, könnte dies den US-Dollar im Vergleich zu seinen etwas risikoreicheren Peer-Währungen Euro, Pfund und Australischer Dollar beflügeln.

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