Draghi als Vorspeise und Unternehmensberichte als Dessert

Auch wenn diese Woche wieder eine große Anzahl an geldpolitischen Entscheidungen der Zentralbanken anstehen, steht dabei die Europäische Zentralbank ganz ohne Zweifel im Rampenlicht. Insbesondere die Devisen-Märkte werden sich auf die Bekanntgabe von Mario Draghis Patenrezept zur Ankurbelung der weiterhin stotternden Konjunktur in der Eurozone konzentrieren. Seine Entscheidung wird einen großen Einfluss auf die zukünftige Entwicklung des Euros haben. Aktienanleger werden ihre Blicke hingegen auf die Wall Street richten, wo mit der Veröffentlichung einiger wichtiger Unternehmensberichte die Berichtssaison eingeläutet wird. In ihrer Gesamtheit spiegeln sie nämlich den aktuellen Zustand US-Wirtschaft wider. Daher werden sich diese Berichte nicht nur auf die aktuelle Stimmung sondern die generelle Dynamik der Märkte auswirken.

Der Ausblick für die Eurozone bleibt durchwachsen

Es gab zuletzt aus mehreren Sektoren der Eurozone ermutigende Anzeichen, wie beispielsweise Einzelhandelsverkäufe, Exportzahlen und industrielle Produktion. Diese positiven Neuigkeiten werden allerdings dadurch getrübt, dass der Motor der Eurozone, Deutschland, zuletzt nur mittelmäßige Ergebnisse vermelden konnte. Insgesamt gesehen, verheißt dies für die Wirtschaft der EU nichts Gutes. Die Inflation in der Eurozone stellt weiterhin ein schwer überwindbares Hindernis dar, wenn man bedenkt, dass die Kerninflation noch immer ziemlich flau ist. Daher ist es auch wenig wahrscheinlich, dass das Inflationsziel der EZB in Höhe von 2% in absehbarer Zeit erreicht werden kann.

Bringt Mario den Euro an den Rand der Parität?

Die Märkte hegen noch immer große Hoffnungen, dass sich die Europäische Zentralbank zu weiteren monetären Lockerungsmaßnahmen entscheiden wird. Allerdings scheinen dabei die mangelnde Überzeugung von Mario Draghi und der EZB große Sorgen zu bereiten. Auch wenn die EZB jetzt schon seit einigen Monaten versucht, mit ihrer expansiven Geldpolitik die Konjunktur anzukurbeln, muss sich deren konkrete Wirksamkeit noch erweisen. Viele Betrachter vergleichen die Bemühungen der EZB, mit dem Vorgehen, eine Grube mit einem Teelöffel Erde auffüllen zu wollen, wenn man in Wahrheit zur Schaufel greifen sollte und zwar kräftig.

Ganz egal ob die EZB nun am Donnerstag mit mehr oder weniger Überzeugung zur Tat schreiten wird, also weitere Lockerungsmaßnahmen beschließt, würde dann der Euro auf kurze Sicht weiter an Boden verlieren. Falls Mario eine passivere abwartende Haltung einnehmen sollten, könnte sich der Euro kurzfristig stabilisieren. Allerdings könnte der Euro auch so auf Dauer unter Druck geraten, weil sich das mangelnde Wachstum auf seine Entwicklung niederschlagen wird. Vorerst bleibt eine Euro-Dollar-Parität aber noch außer Reichweite.

Die Berichtssaison könnte neue Befürchtungen auslösen oder schlechte Vorahnungen bestätigen

An der Wall Street werden sich die Anleger darauf konzentrieren, welche Auswirkungen diese Berichtssaison möglicherweise auf die Performance von S&P500, Dow Jones und NASDAQ haben wird. Während sich die Benchmarks stetig nach oben bewegen, steigen bei den Aktienanlegern aufgrund der weiterhin düsteren Nachrichten aus China die Bedenken. Der Ausdruck “Die Welt ist klein” war angesichts der Berücksichtigung des Konjunktureinbruchs in China durch die Anleger nie aktueller. Ganz unabhängig, ob sie damit direkt oder indirekt zu tun haben, spüren alle Schwergewichte an der Wall Street die Vorboten der Wirtschaftsflaute.

Nur in welchem Ausmaß? Und dies führt zu Frage, wie lange es bis zum Eintritt des Unausweichlichen dauern wird? Anleger haben eine Abneigung vor “Korrekturen” in egal welchem Markt, der sich dann wie ein Tsunami auf die anderen ausbreiten könnte. Falls die Unternehmensberichte an der Wall Street generell besser als erwartet ausfallen sollten, könnten diese Befürchtungen zumindest vorübergehend zerstreut werden. Ein Einbruch bei den Unternehmenszahlen könnte hingegen die Sorgen der Anleger bestätigen und sich negativ auf die Wall Street auswirken.

Die Märkte werden abwarten, um zu sehen, was die EZB vorhat, um der zusehends prekärer werdenden Situation in der Eurozone zu begegnen. Dabei sind die Optionen der EZB ziemlich klar: Handeln oder nichts tun. Im ersten Fall würde der Euro wohl reflexartig einbrechen, was allerdings nur von kurzer Dauer sein könnte. Beim letzteren Szenario würde die automatische Reaktion der Anleger den Euro vermutlich kurzfristig stabilisieren.

Und wie stehen die Aktien an der Wall Street? Falls die Unternehmensberichte generell besser als erwartet ausfallen sollten, könnten dadurch die Bedenken der Anleger vorerst zerstreut werden. Negative Zahlen würden hingegen als Bestätigung der auf den Märkten herrschenden Ängste angesehen werden und könnten die Benchmarks purzeln lassen.

Das konkrete Programm

Bericht des Treffens der australischen Zentralbank (Dienstag) – Falls das Protokoll des jüngsten Treffens der RBA auf weitere Lockerungsmaßnahmen hindeuten sollte, könnte der Aussie gegenüber dem US-Dollar und dem Yen an Boden verlieren.

Zinsentscheidung der Bank of Canada (Mittwoch) – Falls sich die BoC zu einer weiteren Senkung des Leitzinssatzes entscheiden sollte, könnte der Kanadische Dollar im Vergleich zu US-Dollar und Yen an Substanz verlieren.

EZB-Zinsentscheidung (Donnerstag) – Wird Draghi die expansive Geldpolitik ausweiten? Wird Draghi den Euro in Richtung Parität führen? Alle diese brennenden Fragen könnten durch die EZB-Entscheidung dieses Monats beantwortet werden.

Tags: , , , , ,

Comments are closed.