Ist der Euro bereit für den Ausbruch?

Da die USA und die US-Notenbank momentan nicht im Fokus der Märkte stehen, konzentrieren sich diese derzeit auf die Eurozone. Am Donnerstag wird die Europäische Zentralbank ihre Erklärung zur Geldpolitik bekanntgeben. Dann könnte sich am Freitag die Situation aufgrund der Bekanntgabe der Daten zur Inflation und des BIP im Euroraum für Juli weiter aufheizen. Und wir wären nachlässig, wenn wir die Situation in Griechenland, die sich zwar gebessert hat, jedoch weiterhin größtenteils ungelöst ist, nicht erwähnen würden. Die EZB stützt weiterhin das griechische Bankensystem, während sie auf strukturelle Reformen wartet. Wenn der Euro überhaupt eine geringe Chance auf Erholung in naher Zukunft hat, so wird diese Woche darüber entscheiden. Bis zum Ende der Woche werden wir entweder die Erholung des Euro sehen oder dass die Chance auf eine Erholung schwindet.

EZB im Fokus

Wird die EZB weiterhin den Status Quo aufrechterhalten, d. h. weiterhin eine sehr lockere Geldpolitik verfolgen? Dies ist die Hauptfrage, auf deren Antwort die Anleger warten. Wie bereits in der Vergangenheit werden EZB-Präsident Mario Draghi und die anderen Mitglieder des Rates wahrscheinlich weiterhin abwarten. Die Daten werden für den Entscheidungsfindungsprozess maßgeblich sein. Die letzten wirtschaftlichen Entwicklungen sind bestenfalls als mittelmäßig zu bezeichnen. Letzte Woche waren die PMI-Daten für die Eurozone für den Monat Juli gemischt, der EPI (Erzeugerpreisindex) fiel und die Umsatzzahlen für Juli entsprachen ebenfalls nicht den Erwartungen und fielen von 2,6 % auf 1,2 %. Nach Meinung der Analysten weisen die Daten weiterhin auf eine Wirtschaft hin, die weiter darum kämpft, eine Basis zu finden.

Erneut Deflation

Natürlich sind die wichtigsten Daten, auf welche die EZB schaut, die Inflationsrate und das BIP-Wachstum. Diese Veröffentlichungen folgen innerhalb von 24 Stunden nach der Entscheidung der EZB. Derzeit liegt die Kerninflationsrate in der Eurozone bei 0,2 % und somit knapp unter einer Deflation. Auf dem derzeitigen Niveau und aufgrund dem Inflationsziel der EZB von 2 % ist ist kaum ein geldpolitischer Straffungskurs zu erkennen. Zinserhöhungen, die schon jetzt weit in der Zukunft liegen, könnten sich noch weiter verschieben, wenn sich die Inflationsrate weiter verschlechtert.

Nun, da die Gesamtinflationsrate bei einem Tiefstwert von 0,2 % liegt, scheint es Anzeichen für eine Verbesserung zu geben. Die Inflationsrate wird aufgrund volatiler Komponenten verzerrt, und hierzu zählen vor allem auch die Energiepreise. Die Energiepreise, vor allem die Ölpreise, wiesen im letzten Monat einen Trend nach unten auf. Die Kerninflationsrate, die diese volatilen Komponenten eliminiert, stieg tatsächlich auf 1 %. Diesen Prozentsatz hat es schon seit mehr als 15 Monaten nicht mehr gegeben. Gleichzeitig lag die Inflationsrate bei Industrieerzeugnissen (außer Energie) bei 0,5 %, dies entspricht einem 2-Jahres-Hoch, und sie ist während der letzten fünf Monate gestiegen.

Analysten sind der Meinung, dass – obwohl der Anstieg des Kern-Verbraucherpeisindex möglicherweise aufgrund der Volatilität (noch) nicht nachhaltig ist, dennoch Grund zu Optimismus besteht. Obwohl die Deflation beharrlich zu sein scheint, und trotz fallender Preise, die sich weiter nach unten bewegen, muss dies nicht unbedingt der Fall sein. Was wird Draghi zu den geringen Inflationsraten sagen, die stetig unter dem EZB-Ziel liegen? Wird er auf eine Lockerung hinweisen oder diese sogar vorschlagen? Wenn Draghi eher „unkonventionelle” Maßnahmen signalisiert, wird der Euro den Druck zu spüren bekommen. Wenn Draghi jedoch andererseits Geduld praktiziert, könnte der Euro steigen. In 2014 hat Mario Draghi insbesondere die Warenpreise als einen Faktor zur Gestaltung der Geldpolitik erwähnt. Es wird interessant sein, zu sehen, ob Super Mario möglicherweise bei dieser Aussage zurückrudert. Wir werden die Antwort darauf nach der EZB-Entscheidung wissen, wenn Draghi im Mittelpunkt steht.

Können wir bitte etwas Wachstum haben?

In der Zwischenzeit könnte eine Enttäuschung in Bezug auf das BIP-Wachstum in der EU den letzte Sargnagel für eine Erhöhung der Zinssätze bedeuten. Aber wird dies auch geschehen? Die neuesten Wirtschaftsdaten aus den Ländern der Europäischen Union sehen etwas positiver aus. Spanien, eine der größten EU-Volkswirtschaften stieg um 1 % und wird möglicherweise der Star-Performer in der EU sein, was das Wachstum anbelangt. In der Zwischenzeit bleiben die Wachstumszahlen für Deutschland, Italien und Frankreich eher moderat, können jedoch sicherlich das Wachstum in der gesamten Eurozone stützen.

Im Klartext

Die EZB-Entscheidung am Donnerstag steht diese Woche im Mittelpunkt, danach folgen die Bekanntgabe der Inflationsrate und des BIP-Wachstums in der EU am Freitag. Die große Frage diese Woche lautet: Wird Draghi weitere Impulse setzen? Wenn sich die Aussichten der EZB zur Inflationsrate weiter verschlechtern, so ist dies sehr gut möglich. Was das BIP anbelangt so ist ein nachhaltiges Wachstum ohne eine Verbesserung der Zahlen weiterhin sehr zweifelhaft. Dies bedeutet, dass die Diskussionen um einen Zinsanstieg weiterhin ausbleiben.

Das konkrete Programm

EZB-Zinsentscheidung (Donnerstag) – Wenn Mario Draghi den Status Quo aufrechterhält, anstatt Hinweise auf eine weitere Lockerung zu geben, könnte sich der Euro stabilisieren.

US-Daten zum Einzelhandel (Donnerstag)- Das wichtigste Ereignis für den Dollar und die Wall Street. Wenn sich die Daten zum Einzelhandel nach einem Rückgang im letzten Monat wieder erholen, könnten der US-Dollar sowie auch die US-Indizes an Boden gewinnen.

VPI Eurozone (Freitag) – Wenn die Inflation in der Eurozone weiter zurückgeht, könnte der Euro unter Verkaufsdruck geraten.

BIP Eurozone( Freitag)- Wenn das Wachstum in der Eurozone auf 1 % im Jahresvergleich steigt, wird dies als positives Zeichen für die Eurozone gesehen, und dadurch verbessern sich die Chancen auf eine Erholung des Euros.

Tags: , , , , , , , , , , , , ,

Comments are closed.