Warten auf die EZB-Pressekonferenz

Die Erwartung einer Leitzinserhöhung durch die EZB am heutigen Donnerstag stellt alle übrigen Rahmendaten derzeit in den Schatten. Gestern markierte Europas Leitwährung mit 1,4348 USD ein neues Bewegungs- und Jahreshoch und notierte auf einem Niveau, welches wir letztmals im Januar 2010 sahen.

Es ist Konsens, dass heute eine Erhöhung des EZB-Leitzinses um 25 Basispunkte auf 1,25 Prozent erfolgt. Die jedoch viel spannendere Frage wird allerdings sein, ob es sich hier nur um eine „einmalige“ Aktion handeln wird, praktisch einem „Warnschuss“ in Richtung Zweitrundeneffekt – wie es ein Händler gestern Abend nochmals hervorhob – oder ob damit ein ganzer Zyklus von weiteren Zinsschritten eingeleitet wird.

In diversen Kommentaren heißt es, dass immer mehr Ökonomen und Kapitalmarktexperten davon ausgehen, dass im noch laufenden Jahr zwei weitere Zinsschritte zu je 25 Basispunkten erfolgen werden, so dass sich der als Leitzins der EZB dienende Hauptrefinanzierungssatz Ende 2011 auf 1,75 Prozent belaufen wird. Ein Devisenhändler wurde dazu gestern Abend in einem Begleitkommentar mit den Worten zitiert: „Das weitet nicht nur den Renditeunterschied zum Dollarraum ordentlich aus, sondern die EZB würde damit auch klar sagen, dass die Preisstabilität für sie weiter oberste Priorität genießt“.

Aus charttechnischer Sicht ist der vorliegende Aufwärtstrend im Tageschart unverändert dominant und markttechnisch bestätigt. Der dem Kursverlauf unterlegte Richtungsfilter zeigt weiterhin aufwärts (long-set-up), die Schwungkraft steigt wieder an, die leichte Reaktion heute Morgen, interpretieren wir noch nicht impulsgefährdent.

Sinnvolle Widerstände liegen uns auf der Oberseite keine vor, orientativ leiten wir eine mögliche, nächst höher liegende Hürde im Bereich um 1,4578 USD her. Mit Unterstützung rechnen wir im Bereich um 1,4269 / 1,4249 USD.

Der Wirtschaftskalender weist uns heute einige Konjunkturdaten aus, welche kursbewegende Relevanz haben könnten. So beginnt der Reigen der Veröffentlichungen um 06:45 Uhr (UTC) mit der französischen Handelsbilanz für März mit erwarteten minus 5,50 Milliarden Euro nach minus 5,90 Milliarden Euro im Vormonat. Der Ausweis der deutschen Industrieproduktion steht um 10:00 Uhr (UTC) auf der Agenda und wird mit 0,50 Prozent nach 1,80 Prozent avisiert. Um 11:45 Uhr (UTC) folgt dann die Bekanntmachung der erwarteten Leitzinsänderung durch die EZB, es folgt die dazugehörige Pressekonferenz um 12:30 Uhr (UTC).

Aus den USA erwarten wir um 12:30 Uhr (UTC) die Anträge auf Arbeitslosenhilfe mit geschätzten 385.000 nach 388.000 im Vormonat. Die erwartete Bekanntgabe der Arbeitslosenzahl in den USA, ebenfalls um 12:30 Uhr (UTC), soll bei 3.700.000 nach 3.714.000 liegen. Um 19:00 Uhr (UTC) folgen noch die US-Konsumentenkredite mit prognostizierten 3,60 Milliarden USD nach 5,00 Milliarden USD.

Fazit:

In der praktischen Konsequenz konnten wir gestern mit Erreichen und Überschreiten der 1,4320 USD unsere Kauf-Position vom Dienstag (Eröffnungskurs bei 1,4220 USD) erfolgreich schließen.

In unserer vorangegangenen Gesamteinschätzung hatten wir unsere Erwartungshaltung dahingehend formuliert, dass wir den Euro optimistisch bis zum Zinsschritt interpretierten. Nach erfolgter Zinserhöhung unterstellten und unterstellen wir dagegen eine gesteigerte Wahrscheinlichkeit der Gewinnmitnahmen, wobei ein mögliches auslösendes Element die Interpretation der Aussagen Trichets zur Pressekonferenz sein werden. Sollten dessen Aussagen dahingehend gewertet werden, dass der heutige erwartete Zinserhöhungsschritt vorerst einmaligen, isolierten Charakter trägt, wäre dies ein Impuls für Gewinnmitnahmen. Ist die heutige Zinserhöhung der Auftakt weiterer Schritte, behält der übergeordnete Aufwärtstrend aller Voraussicht nach seine Aufwärtstendenz bei.

Wir platzieren eine Verkaufsorder bei 1,4245 USD mit Kurs-Ziel 1,4145 USD und einem Stopp-Kurs bei 1,4295 USD.
Julius Sobizack / Finanzanalyst / Live Bell GmbH

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